Von der Anonymität raus ins lebendige Miteinander: Urban Gardening im Gottesauer Block

Erfolgsgeschichte Mieterin Urban Gardening_Collage mit Gemüse und Anbau

Eine Erfolgsgeschichte unserer Mieterin Frau Schweizer

"Das ist ja die reinste Lindenstraße hier. Da will ich auch hinziehen!" meinte eine Mitgärtnerin im Mitmachgarten in der Oststadt, mitten im Gottesauer Block.

Das war hier nicht immer so. Nachdem ich vor acht Jahren wegen Gentrifizierung unfreiwillig von der Südweststadt in die Oststadt zog, fühlte sich das an wie der Umzug in eine neue, fremde Stadt. Ich kannte hier in dieser Gegend niemanden und ein wirkliches Interesse an der neu zugezogenen älteren Nachbarin war auch nicht da. Gut, bei den täglichen Gassi-Runden mit meiner kleinen Hündin gab es zum Glück hin und wieder kurze Begegnungen und während Corona kuschelten sich oftmals bis zu zehn Nachbarskinder um meinen Vierbeiner zum Streicheln. Allerdings kannte ich von den Erwachsenen in der Nachbarschaft – bis auf die, die mit mir im Haus wohnen – nur die Namen ihres Vierbeiners, sofern sie mit einem unterwegs waren. Manchmal ziehen auch Menschen weg, kurz nachdem man sie kennengelernt hat.

Ich muss zugeben, dass ich oft wehmütig das Gärtnern und das gesellige Miteinander der Menschen in der Lohfeldsiedlung beobachtete, obgleich ich es mir mittlerweile in meiner Anonymität doch auch gemütlich eingerichtet hatte. Doch dann änderte sich etwas im Frühjahr 2024. Etwas, das bis dahin auf den schön gepflegten Grünflächen rund um das ehemalige Waschhaus im Inneren des Gottesauer Blocks schier unvorstellbar gewesen war: Der MBV organisierte – neben zwei weiteren Standorten in der Südweststadt – ein Urban-Gardening Projekt im Gottesauer Block. Da hieß es "Im Innenhof zwischen 'Waschhaus' und Buntestraße bei der August-Schwall-Straße erwartet euch ein weiteres Urban-Gardening-Abenteuer... in Zusammenarbeit mit Refarm für die Mitglieder und andere Gartenfreundinnen und -freunden".

Urban Gardening mitten im Gottesauer Block

Ich war begeistert! Endlich ein Nachbarschaftsgarten vor dem Haus, mitten in der Stadt. Endlich die Möglichkeit, mit den Händen nicht nur im Blumentopf sondern in der frischen Erde zu buddeln, Gemüse anzupflanzen, zu ernten und meinen Nachbar/innen zu begegnen. Gleichzeitig war ich skeptisch! Haut das hin? Wie soll das mit uns unterschiedlichen Menschen denn funktionieren? Doch es funktioniert! Mit Unterstützung von Luisa und Patrick von "Refarm". Refarm ist ein soziales Startup-Unternehmen mit einem kleinen, motivierten Team, welches viel Gartenerfahrung mitbringt. „Unsere Vision ist eine Welt, in der jeder Mensch die Folgen seines Handelns für die Umwelt erkennt – und entsprechend handelt, um allen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.“ (Zitat von der Website) Mit ihren Gartenprojekten verfolgt Refarm das Ziel, sowohl unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren als auch eine lebenswerte Zukunft für alle zu sichern. Refarm setzt sich voller Überzeugung dafür ein, um Karlsruhe „grüner, gemeinschaftlicher und biodiverser zu gestalten“.

In Zusammenarbeit mit der Refarm GmbH

Dem sozialen Startup gelingt es, einer altersgemischten Gruppe praxisnahe Umweltbildung zu vermitteln und dabei die unterschiedlichen Lebensrealitäten zu berücksichtigen. In den letzten zweieinhalb Jahren konnten einige Nachbar/innen aus dem Gottesauer Block zeitweise zusammengebracht werden. Inzwischen treffen wir uns nicht mehr nur zum Gärtnern, sondern auch zum gemeinsamen Picknick, Sonnenbaden, für die Teilnahme am Stadtteil-Flohmarkt oder an den Dreck-Weg-Wochen.

Das gemeinsame Gärtnern hat uns tatsächlich verändert: "Urban Gardening stärkt nicht nur die Umwelt, sondern auch unser Wohlbefinden, unsere Beziehungen und unsere Verbindung zur Natur." so auch auf der Website von Refarm.

Aus Nachbarn wird Gemeinschaft

Mein Fazit: Wenn ich jetzt mit meiner Hündin die Runden drehe, fühlen wir uns nicht mehr fremd. Wir werden auch ohne Hund freundlich begrüßt, halten ein Schwätzchen, einige Nachbar/innen singen gemeinsam im Chor oder treffen sich zu Lesungen oder zum Tischtennisspielen. Der Kontakt unter Hundebesitzern und gemeinsames Gärtnern tragen spürbar zu einem freundlicheren und zufriedeneren Miteinander bei – zumindest in unserem Gottesauer Block.

Ein Projekt mit Zukunft

Vielen Dank an dieser Stelle an den MBV und an Refarm für dieses fruchtbare Garten-Projekt. Wir freuen uns sehr, dass es auch 2026 weitergeführt wird und nicht nur das Gemüse in den Beeten, sondern auch ein stabiles nachbarschaftliches Miteinander weiterwachsen kann.

Gärtnern auch Sie mit!

Standorte für die Mitmach-Beeten:

  • Südweststadt – Innenhof Sachsenstraße 14–20
  • Oststadt – Innenhof am Gottesauer Platz
  • Südstadt – Innenhof Meidinger Block

Mehr dazu auf unserer Website: Urban Gardening beim MBV

Haben auch Sie einen Gemeinschaftsgarten, den wir im Magazin oder auf unserer Website vorstellen dürfen? Schreiben Sie uns gerne an pr@mbv-ka.de. Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen.

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